© D. Schug

Impuls

Bild: Peter Weidemann In: Pfarrbriefservice.de

10 Jahre Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus 

Von Josef Laupheimer

Vor nunmehr 10 Jahren hat Papst Franziskus im Juni 2015 die Enzyklika „Laudato si“ veröffentlicht, die er nach dem Lobgesang des heiligen Franz von Assisi benannt hat.

Diese viel beachtete und aufrüttelnde Verlautbarung „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Themenbereich Umwelt- und Klimaschutz und verweist auf bestehende soziale Ungerechtigkeiten und auf die Erschöpfung der Ressourcen der Erde. Die Enzyklika wurde nach ihrem Erscheinen als Aufruf zu einem weltweiten Umdenken und als Wendemarke in der Kirchengeschichte bezeichnet. Erstmals beschäftigte sich ein päpstliches Lehrschreiben mit der ökologischen Problematik und Krise.

Nach 10 Jahren ist diese Enzyklika immer noch brandaktuell, ihre Gedanken und Worte gilt es nochmals neu bewusst zu machen. Viel zu wenig ist bisher geschehen, was die Änderung unseres Lebensstils und die weltweite Solidarität angeht. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, der Mainstream heute arbeite gegen die Enzyklika und ihre Kernanliegen.

Ein Grund mehr, Ihnen liebe Leserinnen und Leser Zitate daraus als Impulse für die Ferienzeit mitzugeben. In der Ferienzeit nehmen wir die Natur und unser menschliches Miteinander einmal ganz anders in den Blick, wir haben Zeit zum Nachdenken und Diskutieren über zentrale Lebensfragen.

 

Zitate aus der Enzyklika „Laudato si“

„Laudato si’, mi’ Signore – Gelobt seist du, mein Herr“, sang der heilige Franziskus von Assisi. In diesem schönen Lobgesang erinnerte er uns daran, dass unser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen (…). Diese Schwester schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat. Wir sind in dem Gedanken aufgewachsen, dass wir ihre Eigentümer und Herrscher seien, berechtigt, sie auszuplündern.“ (LS 1f).

„Wir vergessen, dass wir selber Erde sind (vgl. Gen 2,7). Unser eigener Körper ist aus den Elementen des Planeten gebildet; seine Luft ist es, die uns den Atem gibt, und sein Wasser belebt und erquickt uns.“ (LS 2)

„Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln. An vielen Orten des Planeten trauern die alten Menschen den Landschaften anderer Zeiten nach, die jetzt von Abfällen überschwemmt werden.“ (LS 21)

„Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht.“ (LS 33)

„Die soziale Ungerechtigkeit geht nicht nur Einzelne an, sondern ganze Länder, und zwingt dazu, an eine Ethik der internationalen Beziehungen zu denken. Denn es gibt eine wirkliche „ökologische Schuld“ – besonders zwischen dem Norden und dem Süden – im Zusammenhang mit Ungleichgewichten im Handel und deren Konsequenzen im ökologischen Bereich wie auch mit dem im Laufe der Geschichte von einigen Ländern praktizierten unproportionierten Verbrauch der natürlichen Ressourcen.“ (LS 51)

„Wir sind nicht Gott. Die Erde war schon vor uns da und ist uns gegeben worden. … Jede Gemeinschaft darf von der Erde das nehmen, was sie zu ihrem Überleben braucht, hat aber auch die Pflicht, sie zu schützen und das Fortbestehen ihrer Fruchtbarkeit für die kommenden Generationen zu gewährleisten.“ (LS 67)

„Während das Herz des Menschen immer leerer wird, braucht er immer nötiger Dinge, die er kaufen, besitzen und konsumieren kann. In diesem Kontext scheint es unmöglich, dass irgendjemand akzeptiert, dass die Wirklichkeit ihm Grenzen setzt.“ (LS 204)

„Ich lade dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten. Wir brauchen ein Gespräch, das uns alle zusammenführt, denn die Herausforderung der Umweltsituation, die wir erleben, und ihre menschlichen Wurzeln interessieren und betreffen uns alle.“ (LS 14)

„Gehen wir singend voran! Mögen unsere Kämpfe und unsere Sorgen um diesen Planeten uns nicht die Freude und die Hoffnung nehmen.“ (244)

Josef Laupheimer

 

Handy als Kollekte

Für einen bewussten Umgang mit Ressourcen

Große christliche Kirchen in Baden-Württemberg starteten am deutschen Erdüberlastungstag die gemeinsame ökumenische Aktion „Handys als Kollekte“ und regen Gemeinden und Einrichtungen zum Mitmachen an. 

Der Erdüberlastungstag markiert jedes Jahr den Zeitpunkt, an dem die Menschheit mehr natürliche Ressourcen verbraucht hat, als die Erde in dem jeweiligen Jahr regenerieren kann. 

Ausgediente Handys sammeln

Wir in der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Ost machen bei der Aktion mit und sammeln ausgediente und nicht verkäufliche Handys in einer Sammelbox in unserem zentralen Pfarrbüro Schurwaldstr. 3 von Anfang September bis zum 11. Januar 2026. Bei der Aktion übernimmt die beauftragte Firma Jurec-IT die sichere und zertifizierte Datenlöschung, die Sammellogistik sowie das Recycling bzw. die Wiederaufbereitung der Geräte.

Bewegte Zeiten in unserer Kirche

Trauer um Papst Franziskus und kurz danach „Habemus Papam“ - Leo XIV ist unser neuer Papst

Für uns alle überraschend ist am Ostermontag Papst Franziskus verstorben. Am Tag davor hatte er vor den Augen der Weltöffentlichkeit noch mit letzten Kräften den Segen Urbi et Orbi gespendet und auf dem Petersplatz bei einer Fahrt durch die Reihen noch die Gläubigen gegrüßt. Nach der Rückkehr von unserem Emmausgang am Ostermontagmorgen haben wir von seinem Tod erfahren und haben dann tief betroffen im Gedenken an ihn miteinander Eucharistie gefeiert.

 

Die Trauer über den Tod von Papst Franziskus war weit über die Grenzen der Kirche hinaus groß. Vielen wurde jetzt erst die richtungsweisende Bedeutung seines Pontifikates und die geistliche Prägekraft seiner Persönlichkeit bewusst. Auch wir haben bei einem Requiem am 26. April in Herz Jesu Abschied von unserem verstorbenen Papst genommen und für ihn gebetet; das war der Tag, an dem in Rom die ganze Welt zu seiner Trauerfeier versammelt war.

 

Erstaunlich groß war danach das weltweite Interesse an dem bevorstehenden Konklave, es wurde viel spekuliert. Am 7. Mai begann das Konklave und alle rechneten mit einer längeren Dauer, da das Kardinalskollegium von Papst Franziskus ja neu aufgestellt worden war.

 

Unerwartet kam dann bereits am frühen Abend des 8. Mai nach dem vierten Wahlgang aus Rom die Botschaft „weißer Rauch“. Alle waren gespannt und elektrisiert von der Frage: Wer wird es denn sein? Nach einer guten Stunde dann Gewissheit. Kardinal Robert Francis Prevost zeigt sich auf der Loggia des Petersdomes den Gläubigen auf dem Petersplatz und auf der ganzen Welt. Mit ihm haben nur wenige gerechnet: ein Amerikaner und Augustiner, der lange als Missionar und Bischof in Peru gewirkt hat und die Welt kennt. Mit seinem ersten Auftreten, dem die eigene Überraschung und das persönliche Berührtsein anzumerken war, und dann mit seinen ersten Worten hat Leo XIV alle für sich eingenommen. Mit der Friedensbotschaft des Auferstandenen hat er sich an alle gewandt und dann von der Liebe Gottes zu allen Menschen, von Dialog und Synodalität gesprochen. Den Segen Urbi et Orbi empfingen an diesem Abend die zur konstituierenden Sitzung versammelte Runde des KGRs Herz Jesu im Philipp-Jeningen-Saal und die Gottesdienstgemeinde in Heilig Geist im Wohnzimmer der Familie Carlé.

 

Wir sind dankbar für unseren neuen Papst und erkennen in seiner Wahl das Wirken des Heiligen Geistes. Für unseren Papst Leo XIV beten wir und wünschen ihm den intensiven Beistand Gottes. Erfüllt von tiefer Dankbarkeit denken wir an den verstorbenen Papst Franziskus und vertrauen ihn im Gebet der Güte Gottes an.

 

Ihr Pfarrer Josef Laupheimer 

 

© Vatican Media - Alle Rechte vorbehalten

 

„Ein Papst, der ganz auf der Linie von Franziskus liegt“

Robert F. Prevost wurde zum 267. Papst der Römisch-Katholischen Kirche gewählt. Bischof Dr. Klaus Krämer gratuliert dem neuen Papst.

„Mit großer Freude habe ich die Wahl von Papst Leo XIV. aufgenommen. Robert Francis Prevost ist ein Mann mit einem tiefen Glauben und großer weltkirchlicher und kurialer Erfahrung, der in Kontinuität mit dem Pontifikat von Papst Franziskus steht, zugleich aber seine eigenen Akzente setzen wird. Sein bischöflicher Wahlspruch ‚In dem Einen sind wir vielen eins‘ unterstreicht seine Vision einer Kirche der Einheit in Vielfalt. Hier dürfen wir neue Impulse für die Weltkirche erwarten. Dass er in seiner ersten Ansprache als Papst den Frieden und den Dialog zwischen uns Menschen in den Mittelpunkt stellte, war für mich ein starkes Zeichen in einer Zeit großer Herausforderungen, das mich sehr angesprochen hat. Ich bete für unseren neuen Papst und freue mich auf sein Wirken im Dienst unserer Kirche.“

Bischof Dr. Klaus Krämer

Quelle: www.drs.de/ansicht/artikel/ein-papst-der-ganz-auf-der-linie-von-franziskus-liegt.html

Bild: Friedrich Gottschalk In: Pfarrbriefservice.de

 

18. Sonntag C, Ansprache Wortgottesfeier 

Liebe Mitchristen,

seit 100 Jahren beginnen die Salzburger Festspiele mit dem „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal – so auch in diesem Sommer. In dem Stück geht es um das Leben und Sterben eines reichen Mannes. Jedermann verbringt sein Leben in Luxus und Genuss und ist von weltlichem Besitz geprägt. Er ist egoistisch, geizig und prahlt mit seinem Reichtum. Mitten in einem ausgelassenen Fest erscheint der Tod und fordert Jedermann auf, ihm zu folgen. 

Das Theaterstück geht auf ein mittelalterliches Mysterienstück zurück, das wohl auf unser heutiges Evangelium verweist.

Was wie ein Schauspiel beginnt, endet in einer existenziellen Frage: Was trägt unser Leben wirklich angesichts seiner Endlichkeit?

Es ist eine grundlegende Frage, die uns alle beschäftigt: Was brauchen wir wirklich zum Leben? Oft fühlen wir uns in einer Welt voller Überfluss verloren und vergessen dabei die eigentlichen Notwendigkeiten. Die Antwort ist nicht einfach und sicherlich individuell, doch es gibt grundlegende Bedürfnisse, die für unser Überleben und Wohlbefinden unerlässlich sind.

Auch das heutige Evangelium stellt diese Frage. Es berichtet von einem Mann, der ganz vernünftig denkt: Er will nichts verschwenden, alles gut anlegen und für morgen vorsorgen. Und doch sagt Jesus: 

„Du Narr! Noch in dieser Nacht wird dein Leben von dir zurückgefordert.“

Das klingt hart. Aber ist Vorsorge denn falsch? Natürlich nicht. Doch wenn sie uns das Heute vergessen lässt, wird das Morgen zur Falle. Was hilft kluge Planung, wenn das Herz dabei leer bleibt?

Auch der Weisheitslehrer Kohelet spricht in der Lesung Klartext: Alles ist vergänglich – Reichtum, Besitz, ja selbst unser Leben. „Ein Windhauch“, nennt er es. Was wir besitzen, ist nur geliehen auf Zeit. 

Doch seine Antwort ist überraschend positiv. Etwas später sagt er – wir haben diesen Abschnitt heute nicht gelesen –: 

„Iss dein Brot mit Freude. Trink deinen Wein mit gutem Herzen. Trage frische Kleider. Lass duftendes Öl auf deinem Haupt nicht fehlen.“ (Koh 9,7–9)

Kohelet lädt uns ein, das Leben nicht aufzuschieben, sondern im Heute zu feiern. Er fordert uns auf, das Leben bewusst und mit Dankbarkeit zu führen. Dabei geht es nicht um hemmungslosen Genuss oder das Aufgehen im Moment, sondern um ein achtsames und sinnstiftendes Dasein im Vertrauen darauf, dass alles Geschaffene Teil von Gottes guter Ordnung ist.

- Ein Mensch, der jeden Tag nur für später spart und auf „bessere Zeiten“ wartet, verpasst womöglich die Schönheit des Jetzt – ein Spaziergang im Sonnenlicht, ein liebevolles Gespräch mit einem Freund: das sind Momente, die das Leben lebenswert machen. 

- Wer Genuss nur mit Rausch verwechselt, verliert leicht das Maß. Ein gutes Glas Wein, geteilt mit einem lieben Menschen, kann Dankbarkeit und Gemeinschaft ausdrücken – übermäßiger Konsum hingegen entzieht dem Moment seine Tiefe. 

- Die Arbeit im Garten, das Zubereiten eines Mahls, das Musizieren – all diese Dinge tragen zur Freude bei und verbinden uns mit dem Schöpferischen. Sie sind nicht bloße Ablenkung, sondern Teil eines sinnvollen und erfüllten Lebens. 

- Nachhaltig handeln: Schon heute Ressourcen schonen, damit nachfolgende Generationen ebenfalls gut leben können.

Kohelet lädt uns ein, nicht auf das Morgen zu warten, sondern das Heute bewusst zu leben. In der Freude am Alltäglichen, im Maßhalten und in der Dankbarkeit gegenüber dem, was uns gegeben ist, entfaltet sich der Sinn des Lebens – nicht als Rausch, sondern als Resonanz mit dem Guten in der Schöpfung.

Vielleicht denken Sie jetzt: Das ist ja alles nicht so einfach. Ich soll nicht nur an das Morgen denken und mich nicht von meinen Sorgen aufzehren lassen. Gleichzeitig soll ich nicht im Jetzt aufgehen, sondern wissen, dass mein Leben begrenzt ist. 

– Stimmt, das ist nicht so einfach.

Ich glaube, Jesus hat uns einen Weg gezeigt, wie das gelingen kann. Nicht Weltflucht. Nicht Weltvergötzung hat er gelebt. Er wollte den Vater bezeugen, den er auf der Seite der Außenseiter glaubte. So lebte er in selbstgewählter Anspruchslosigkeit. Das ist nicht der Weg für jeden – muss es auch nicht sein. Dennoch gilt sein Ausruf: „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“ (Mt 6,24) für alle, die ihm nachfolgen.

Liebe Mitchristen, 

möge uns dieser Sonntag ermutigen, bewusst zu leben, dankbar zu feiern und mit klarem Herzen zu handeln. Die Kraft dazu erhalten wir durch Gottes Wort und im eucharistischen Mahl.

Amen

 

Verwendete Quelle: 

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Kol 3,1–5.9–11)
aus: Magnificat. Das Stundenbuch 08/2025, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

Anregung, Ergänzungen, Kritik: Bitte an Bernhard Derek

Kennen Sie unseren Gemeindebrief "Blickpunkt-Ost"?

Wenn Sie sich hier anmelden, bekommen Sie ihn alle zwei Monate zugesandt.
Der Blickpunkt Ost ist kostenlos, wir freuen uns aber einmal im Jahr über eine Spende.

ANMELDEN